05. Dezember 2014

Von Bankraub und Totengedenken

Der letzte Monat brachte uns den ersten Schnee, der sich aber sofort in die Berge zurückzog, hier war es ihm offenbar noch zu grün. Nun, die Bäume reagierten und jetzt ist der Wald so kahl, dass man sogar das Baumhaus sehen kann.

Das Baumhaus
Das Baumhaus.

Ausserdem war die Zeit geprägt von Gräberpflege. Erst half ich Colin eine Bank für unseren kleinen Friedhof zu bauen. Neulich war diese plötzlich weg. Wir überlegten, wer denn einen solchen Bankraub begehen könnte und fanden sie schliesslich im Holzlager wieder. Offenbar hatte sie jemand weggeräumt, zum Schutz vor dem Regen...

Die Bank
Tod und Leben sind Freunde.

Als die Bank fertig war, ging es daran, für die zwei Gräber Grabsteine zu machen. Aus Holz. Als diese fertig beschriftet waren, jährte sich der Tod zweier wichtiger TEMI-Mitarbeiterinnen, von denen die einen die Mutter für alle gewesen war und vieles im Griff hatte, was jetzt halt niemand im Griff hat, seit sie bei einem Unfall ums Leben kam.

Bei strömendem Regen fuhren wir mit etwa hundert Gästen zum Friedhof. Essen und Blumen wurden auf die Gräber gelegt. Viele Frauen weinten und streichelten den Grabstein mit Bild der Verstorbenen. Dann wurde das Essen gegessen und Wein auf das Grab gegossen, von dem man einen Schluck getrunken hatte. Im noch immer eifrig fallenden Regen ging es dann zurück nach Temi, dort gab es ein grosses Essen im Marani, dessen Dach glücklicherweise bereits fertig gedeckt war. An langen Tischen, die zweischichtig mit Essen gefüllt waren, sassen alle und froren. Die Männer tranken fleissig. Immer auf die Verstorbenen, immer im stehen, und immer in einem Zug das ganze Glas. Davor konnten ich mich drücken. Was trinken angeht, bin ich halt kein "richtiger" Mann, nur ein Ausländer, der einfach nicht versteht, wie wichtig das Ganze ist (da ich nicht auf der Baustelle arbeite, habe ich den Status auch was meine Arbeit angeht).

Seit diesem Tag stehen die beiden Grabhölzer bei mir im Zimmer, obwohl da niemand begraben liegt. Wenn sie noch lange da stehen, muss ich entweder doch mal nachsehen, ob da auch wirklich niemand liegt, oder ich muss sie endlich lackieren und an ihren Bestimmungsort stellen.

Die Grabsteine
Grabhölzer.

Wegen einer langwierigen Erkältung war meine Arbeitsfähigkeit in der letzten Zeit etwas eingeschränkt. Langsam arbeiten Colin und ich daran, die Beete in einem der Gärten mit Zäunchen in Betten zu verwandeln. Ausserdem haben wir begonnen, den Kindern Englischunterricht zu geben. Erst machen wir mit ihnen die Hausaufgaben, dann Klatschspielchen, die allen Spass machen.

Einer der leichter Behinderten geben ich ausserdem noch Englisch-Einzelstunden. Sie findet, sie mag nur Englisch, kein Deutsch, und möchte es schnellstens lernen, denn sie will nach England. Während ich ihr Wort für Wort ein Übungsbuch, was sie mitgebracht hat, vorlese und sie nachspricht, tut sie immer wieder Ausrufe, wie wunderbar einfach diese Sprache sei, dabei kann sie "I love you" nicht von "how are you" unterscheiden, was den Vorteil hat, dass man immer geliebt wird.

Da ich nun schon über drei Monate hier bin, sollte ich wohl einmal von der Georgischen Sprache berichten, ich hoffe, dies in absehbarer Zeit einmal zu schaffen.

Ansonsten wünsche ich allen Lesern, die in einem Land leben, wo das im Moment angebracht ist, eine schöne Adventszeit.

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