10. Februar 2015

Unterrichtsstunden

Nach vielen sommerlichen Tagen schneit es nun wieder, was ich zum Anlass nehmen möchte, mich hinzusetzten und mal wieder etwas zu schreiben.

Zuletzt hatte ich ja von unserem Weihnachtsfest und dem Überwachungssystem geschrieben. Dazu möchte ich noch nachtragen, dass wir am 7. Januar das Georgische Weihnachtsfest hatten, das aber höchstens in der Kirche gefeiert wurde. Später kam das "alte" neue Jahr, und schliesslich das Ende der georgischen Weihnachtszeit, denen es genauso erging. Diese Zeit verbrachte ich vor allem mit dem Schreiben einer Installationsanleitung für das Kamerasystem, falls es einmal ausfallen sollte.

Wie ich bereits einmal geschrieben habe, hatte ich mit dem Winter begonnen, ein paar Unterrichtsstunden zu geben. Einerseits Geigenstunden für zwei der Schuljungen, andererseits Englisch, für eine der leichter Behinderten und, zusammen mir Colin und Dörte, für die Schulkinder. Um das Georgische Weihnachtsfest waren Schulferien, so dass der ganze Unterricht einschlief, jetzt läuft aber alles wieder, ausser den Geigenstunden...

Die Geigenstunden begannen mit einem der Buben, der bereits mit anderen Freiwilligen vor uns begonnen hatte. Er ist durchaus sehr musikalisch, aber ausserdem eine Superheld, der seine Geige hochwerfen und wieder auffange kann, ohne dass ich Angst haben brauche. Das sagt er jedenfalls, während er mit dem Instrument umgeht, dass ich am liebsten davonlaufen würde. Was er kann, ist Lärm machen, unterdessen ist er aber auch bereit, mir hin und wieder einmal nachzuspielen. Am liebsten würde er die Geigenstunden immer vor allen Leuten abhalten, da kann er sich zwar nicht konzentrieren, aber dafür steht er im Zentrum, und das geniesst er. So bringt er es beim Fussballspielen z.B. auch kaum fertig, vorwärts zu gehen. Selbst wenn da alles frei ist, muss er sich mit wilden Tricks selber ausspielen. Dass er dabei den Ball verliert oder sogar ein Eigentor schiesst, ist weniger wichtig.

Der andere Geigenschüler spielt meiner Ansicht nach nur, weil das gerade in Mode kam. Er ist eher bereit, auch zu machen was ich sage und hat eine Grossmutter, die schon schaut, dass da auch etwas zu Stande kommt, und nicht etwa der ursprüngliche Schüler jetzt zuerst wieder Unterricht bekommt. Sie hat auch schon angemeldet, ich sollte schnell dafür sogen, dass die Kinder etwas vorspielen können. Die Verwandten müssen ja auch sehen, was für tolle Kinder das sind, die nicht nur ein Gedicht "schell und langsam" (Zitat von einem 15-Jährigen, der das kann) auswendig können, sondern sogar ein Liedchen kratzen!

Die Englischstunden mit den Kindern sind sehr nett. Wir machen Klatschspielchen und singen Lieder. Die ursprünglich angekündigten Hausaufgaben gibt es nicht mehr. Vermutlich ist einfach kaum eines der Kinder aus dem Dorf fähig, irgendetwas in dem Englisch-Lehrbuch zu machen, so dass die Hausaufgaben halt (wie vor uns schon immer) ignoriert werden. Die TEMI-Kinder können jedenfalls nicht einmal alles was im Erstklass-Enlischbuch steht, wo die Jungs doch schon in die dritte Klasse gehen.

Englisch ist aber auch nicht das einzige Schulproblem. Vielleicht zwei der Schulkinder können hier die Zahlen über Zwanzig lesen. Die anderen sagen einfach irgendwas, obwohl sie in der Schule mit weit höheren Zahlen rechnen müssen. Im Allgemeinen ist die Antwort auf "lies mal 46", "ოთხმოცდაეკვსი (otchmozdaekwsi,4×20+6)", dass es "ორმოცდაეკსი (ormozdaekwsi, 2×20+6)" sein muss, ist aus der geschrieben Zahl ja nicht ersichtlich, erst recht, wenn man 2+2 an den Fingern abzählen muss.

Die Englischstunde mit der leichter Behinderten ist eigentlich eine Mischung aus Spiel-, Zähl-, Englisch-, und Unterhaltungsstunde mit Prügeleinlagen, denn sie ist eine grosse Kuh und findet es lustig, wenn ich Angst vor ihr habe oder das jedenfalls spiele. Wir lesen immer noch, d.h. ich lese vor und sie spricht nach, denn sie kann auch auf Georgisch nur ein paar Buchstaben (meinen Namen schreibt sie z.B. so: გ). Bei der Gelegenheit hat sie aber einzelne Worte, z.B. Dog oder Umbrella, gelernt. Des weiteren haben wir Karten irgendeines Spieles mit Tieren darauf. Elefanten, Zebras, Nilpferde usw. Da legen wir einfach abwechselnd eine Karte und sagen dazu, wie das Tier auf Englisch heisst, und sie geniesst meinen Gesichtsausdruck, wenn sie absichtlich etwas falsches sagt.

Dann machen wir etwas Mathematik. Mit einem Haufen gleicher Stifte kann man wunderbar addieren. Nur kann sie gerade mal zwei in einem Blick erfassen. Ich versuche ihr drei nahe zu bringen, aber so einfach geht das nicht.

Fragt man diese junge Frau "how do you do?" so kann sie unterdessen meistens mit "I'm fine" antworten. Fragt man aber "how are you?" bekommt man meistens "I love you!" zurück, das kann sie immer noch nicht unterscheiden...

So viel zu unserem Unterricht. Es schneit immer noch, und ich dachte, es sei schon wieder Sommer! Leider bleibt der Schnee nicht so recht liegen...

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