01. Juli 2015

Svanetien

Mein Vater kommt aus der wunderschönen Bergregion Svanetien im Nord-Westen Georgiens. Er ist in Mestia geboren und aufgewachsen. Dort besitzt unsere Familie auch zwei von aussen renovierte Häuser. Seit Herbst gibt es nun hier in Temi das Versprechen von Susanna, mit der wir ganz am Anfang meines Dienstes am Meer waren, diese Situation auszunutzen und mit einer Gruppe von Betreuten nach Mestia zu fahren.


Ein Ortsteil von Mestia, mit seinen typischen Türmen. Fotografiert von einem Turm neben unserem Haus.

Vor einer Woche ergab sich die Gelegenheit, mit einem ehemaligen Freiwilligen, der in Svanetien seine Master-Arbeit schreibt, dieses Versprechen einzulösen.

Nachdem wir am Morgen noch eine Gruppe von Gästen bewirtet hatten (und bei der Gelegenheit auch selber einiges gutes Essen bekamen, liebe Leser, kommt mich also bitte offiziell besuchen!), machten wir uns auf in die Berge. Wir waren fünf Betreute, Kinder und Jugendliche eingerechnet, und sechs nicht-georgische Betreuer.

Gegen Abend des nächsten Tages kamen wir dann in Mestia an, wo uns einer meiner Cousins zu „meinem Haus“ brachte, ein zweistöckiges Gebäude, ansonsten eher Stall als Wohnhaus. Schon auf dem weg dorthin wurde ich von zwei alten Frauen gefragt, ob ich nicht Erosis Junge sei, und da ich der bin, wollten sie, dass ich sie besuchen komme - ohne den Rest der Gruppe. Ich weiss nur nicht wer die beiden waren ...

Im Haus mussten wir erst einmal ein Klo graben, und etwas putzen. Mit einer Leiter, ausgeliehen von den Nachbarn, konnte man dann sogar von unserem Balkon in den Garten und vom ersten Stock, wo wir schliefen, zum Erdgeschoss wo Toilette und Wasser waren, gelangen.


Unser Haus. Von hier aus hat man wunderbare Aussicht über der Ort.

Die vier Tage, die wir oben waren, machten wir jeden Tag eine Wanderung. Erst zu einem Gletscher, dann ein bisschen nach oben, schliesslich etwas weiter nach oben, und dann wieder Richtung Gletscher.


Der Gletscher

Abgesehen von einigen Auseinandersetzungen war es sehr schön mit unseren fünf Georgiern, deren einzige Ermüdungserscheinung war, dass sie sich gelegentlich noch wilder aufführten als sonst.


Die zweite Tour

Die Reaktion der Svanen auf unsere Gruppe und meinen Familiennamen war sehr verschieden. Im Auto sitzend hatten sie offenbar keine Angst vor den „Verrückten“ und winkten lächelnd zurück. Auf der Strasse war das etwas schwieriger.

Ein Nachbarin erzählte mir, sie hätte da einen von unseren Leuten lachend sitzen sehen, einen Schreck bekommen und versucht, ihn zu uns runter zu schicken. Ausserdem sei da noch so eine blonde Verrückte gewesen - und fragte dann, ob die gefährlich seien.

Nun, der besagter Betreuter hat zwar schon auf einer der Wanderungen gemeint er sei im Krieg und hat mit einem Stock als Gewehr alles umgebracht was er sah, aber ansonsten ist er ein absolutes Original und sie hätte sich lieber mit ihm über Politik unterhalten. Und die Blonde war eine von uns Freiwilligen ...


und die dritte Tour.

Auf einer Wanderung mussten wir uns bei Grenzposten registrieren, und siehe da, da waren mindestens zwei andere Margianis, die sich sofort für mich interessierten, oder eigentlich nicht für mich, sondern für meine Vorfahren, die sie offenbar nicht kannten. Ich konnte überhaupt nirgends hingehen, ohne dass irgendjemand meinen Namen erwähnte und jemand auftauchte, der entweder auch Margiani war oder wusste, wer mein Vater ist.

Am letzten Abend kam schliesslich irgendein Verwandter und Nachbar, brachte uns Käse, Joghurt und starke Getränke und blieb mit der ganzen Gruppe, während ich noch schnell meine Cousine mit Kind besuchen musste. Abgesehen von meinen zwei Cousins war er der einzige, der bei der ganzen Gruppe gemerkt hat, dass die „Verrückten“ doch nicht so schlimm sind.


Ein Bergsee auf ca. 2700m

Svanetien ist einfach unglaublich schön. Mal schauen, wann ich wieder dort nach oben kommen, und wie wir es schaffen, unsere Häuser dort auszubauen.


Auf die Frage, wohin wir am nächsten Tag gingen, hiess es im allgemeinen 'in die Berge'

Bei uns in Kachetien ist es unterdessen unerträglich heiss geworden. Die Klangliege ist mehr oder weniger fertig und wartet nur noch auf den Raum, in den sie dann soll. Ansonsten war der Juni ein unglaublich voller Monat, mit einigen Weinaustellungen (der Weisswein von 2012 hat jetzt zwei Goldmedaillen gewonnen), einer Olympiade für Menschen aus Einrichtungen wie Temi in Kachetien, und schliesslich zwei Tagen in Jerewan für uns Freiwillige.


Aussicht von Jerevan ...

... und von Mestia

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