13. April 2015

Frühlingsanfang

"... und plötzlich war es April", sagte der Pflaumenbaum und verblühte. Die weissen Blätter, die eben noch mit dem Schnee auf den nahen Hügeln um die Wette geleuchtet hatten, vielen auf eine Herde frischgeborener Lämmlein, die aus ihren schwarzen Augen alle Vorbeikommenden anstarrten, während der Pflaumenbaum aus Scham ob seiner Nacktheit ergrünte..."

Nun, seit Februar ist einiges passiert, vor allem in der Natur. In einem Seminar der Freunde der Erziehungskunst konnte ich mir ausserdem alle Probleme und Schwierigkeiten meiner Arbeit hier einmal schön vor Augen führen, sie eine Woche lang in der Gruppe von Freiwilligen aus Georgien und Kirgistan voll geniessen und sie dann, zurück in TEMI, wieder vergessen. Ansonsten war es ein schönes Freiwilligentreffen.

Ein Haufen Gäste riss uns dann aus dem Winterschlaf, oder vielleicht gab es den gar nicht.

Derweilen bekamen Dörte, Colin und ich den Auftrag, das Klavier des Kindergartens von Gremi zu reparieren. Viel war da nicht zu machen, nur ein paar Gummibänder gegen Schuhbändel und ein paar Filze gegen Korkscheiben zu ersetzen und das Ganze zu stimmen. Unterdessen hat sich herumgesprochen, dass hier in TEMI Leute sind, die Klaviere stimmen, und manch einer aus dem Dorf meldet sich mit einem kaputten Klavier voll Mäuse und hofft, es gratis repariert zu bekommen - aber wir Arbeiten ja für TEMI, nicht für Gremis Bevölkerung, auch wenn unser Chef seit einiger Zeit Bürgermeister ist.

Eines Tages besorgte sich der TEMI-Präsident einen neuen Fingerabdruckleser, ein "Fingerprint access control device", das ich installieren durfte. Der Hauptvorteil dieses Gerätes ist, dass es so schön aussieht. Man kann einstellen, in welchen Farben und in welchem Rhythmus es blinken soll, und wann welche Pieptöne zur Kommunikation auf persönlicherer Ebene zu verwenden sind.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man, bewaffnet mit einem geeigneten Schraubenzieher, die von ihm kontrollierte Türe gewaltfrei öffnen kann. Das schreibe ich hier, um zur friedlichen Verständigung auf der Welt beizutragen. Wer das schon immer auch machen wollte, dem empfehle ich, sich zu überlegen, sein Türschloss gegen etwas Schöneres zu ersetzen... Ausserdem bitte ich darum, unser "Suprema BioEntry Plus fingerprint access controll device" nicht abzunehmen, denn da der Vorarbeiter die Kabel sehr "unkonventionell" (jedenfalls für Schweizer Verhältnisse) in der Wand verlegt hat, könnte ich es dann nur sehr schwierig (wenn überhaupt) wieder anbringen und würde mich möglicherweise ärgern! (Mal abgesehen davon, dass die Türe damit noch nicht aufgeht, die Technik im Überwachungskämmerlein aber durchaus etwas merken könnte...)

Im Augenblick habe ich viel damit zu tun, eine ausführliche Dokumentation für dieses Ding, was mich so gerne hat, dass es, im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitgenossen, mich schon an einer Berührung mit dem Finger erkennen kann, zu schreiben.

TEMIs Sicherheit wir übrigens seit einiger Zeit von einem Wurf Welpen überwacht, obwohl sie sich vor ein paar Kühen, die aus unerfindlichen Gründen gegen den Willen aller Beteiligten mehrfach im Hundezwinger eingesperrt werden mussten, hinter eine alte Heizung zurückgezogen haben...

Die Geigenstunden, die ich ja schon ein bisschen beschrieben habe, habe ich jetzt auch wieder angefangen. Wir spielen ein paar Liedchen und diskutieren dabei, ob die Stunde nicht gleich draussen, im Speisesaal, oder wenigstens mit offenem Fenster abgehalten werden könnte. Oft läuft das dann darauf hinaus, dass meine Nachttischlampe als Scheinwerfer uns in gleissendes Licht taucht, und wir so, zwar für uns, aber doch im Rampenlicht, spielen. Manchmal ruft er auch ein anderes Kind dazu, es sollte mitspielen...

Irgendwann hört der Kleine dann auf zu Geigen, denn er singt lieber. Die Stunde beenden will er aber nicht mehr, wenn ich ihn endlich davon überzeugt habe, dass sie jetzt im Augenblick und mit den Leuten, die gerade im Zimmer sind, stattfindet.

Zwei Tage bin ich mit Mutter und Schwester, die gerade zum Georgischlernen in Tbilisi sind, von dort nach Gori und zurück gereist.


Djvari, die Kreuzkirche von Mzcheta

Das Kloster Schiomghwime

Die Zion-Kirche von Ateni...

...gelegen in einem wunderschönen Tal.

H-Brücken in Tbilisi

Dann blühten die Quitten, Birnen und Äpfel auf und es war Ostern.


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